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02.08.2021

Borgfelds B-Junioren droht ein schnelles Ende des Bundesligatraums, doch Trainer Burak Bahar glaubt weiter fest an den Klassenerhalt
Die Euphorie war groß. Bundesligafußball in Bremen. Nicht beim großen SV Werder, sondern beim kleinen SC Borgfeld. Keiner hätte nach dem Aufstieg in die B-Junioren-Regionalliga vor etwas mehr als einem Jahr damit gerechnet, dass Burak Bahar mit seinem Trainerteam und der Mannschaft den Durchmarsch schaffen würde. Doch nach einer überragenden Saison ließ Borgfeld Mitkonkurrent VfL Osnabrück hinter sich und qualifizierte sich somit für die Bundesliga.

Zwölf Spiele haben die Wümme-Kicke“ nun schon in der höchsten deutschen Spielklasse absolviert, und die Euphorie schein ein wenig verflogen zu sein. Im Gegensatz zur Regionalliga-Saison fehlte dem Trainerteam, das neben Chefcoach Bahar noch aus Athletiktrainer Sven Duschner, Torwarttrainer Jannik Brüggemann und Co-Trainer Yimin Ehlers besteht, die nötige Vorbereitungszeit, um einen vernünftigen Kader auf die Beine zu stellen. Der Aufstieg stand nämlich erst kurz vor Ende der Saison fest, sodass ein Vorsichten der Spieler, die auf diesem Niveau für den Klassenerhalt gebraucht werden, nicht mehr möglich war. „Wir mussten aus 25 neuen Spielern eine Mannschaft bilden“, gibt Bahar zu Bedenken und verweist auch deshalb auf die lange Eingewöhnungszeit: „Erst allmählich wissen alle Spieler, was wir von ihnen wollen und sind jetzt auf einem Level.“

Trotzdem zehren die elf Niederlagen aus den bisher zwölf Spielen an den Nerven aller Beteiligten. Erst einen Punkt haben die Borgfelder auf der Habenseite. Bahar hatte nach dem 0:5 gegen Dresden zuletzt davon gesprochen, dass dies wohl die schwierigste Spielzeit seiner Trainerlaufbahn sei und er mehr denn je auch als Psychologe gefragt ist. Dabei geht es vor allem darum, die Mannschaft nach den zum Teil deutlichen Pleiten wieder aufzubauen. Besonders das 0:9 gegen Stadtkonkurrent Werder machte dem Team zu schaffen, wenngleich Bahar relativiert: „Wir dürfen uns nicht mit den ersten fünf Mannschaften messen. Das soll kein Freifahrtschein für Klatschen wie diese sein, aber wir wissen, was auf uns zukommt.“

Und sie wissen vor allem, wo sie herkommen. Ein gefestigter Kader, der im Jahr zuvor schon auf diesem Niveau gespielt hat, steht Borgfeld – im Gegensatz zu den Nachwuchsleistungszentren – nicht zur Verfügung. Bestes Beispiel dafür sind Kapitän Ismail Altinsik und Abwehrspieler Johannes Griesenbeck. Altinsik war schon im vergangenen Winter vom ATSV Sebaldsbrück an die Wümme gewechselt, um sich an das Tempo zu gewöhnen. Zuvor hatte er in der Verbands- und Stadtliga gespielt. Der Sprung für die Spieler ist enorm – und trotzdem glauben die Jungs noch an den Klassenerhalt. „Wenn wir eine Einheit bleiben und uns weiter verbessern, kann es klappen“, meint Altinsik, der auch mit klaren Ansagen des  Trainerteams gut klarkommt: „Es war auch in der letzten Saison so, dass Fehler klar aufgezeigt wurden. Da hat sich von der Grundeinstellung her nichts geändert.“

Trotzdem muss Bahar mehr auf seine Spieler einwirken, denn elf Niederlagen sammelte der Großteil seines Kaders sonst nicht mal in einem ganzen Jahr. „Die Umstellung war schon heftig“, meint auch Griesenbeck, der vom FC Oberneuland kam und weiß, dass Borgfeld von den Einzelspielern her nicht mit den Großen mithalten kann: „Wir kommen teilweise aus der Stadtliga. Da geht es nur über den Teamgeist.“ Ähnlich sieht es auch sein Trainer, der den meisten seiner Spieler aber auch einen Schritt Richtung Werder Bremen zutraut: „Die Jungs haben schon gezeigt, dass sie mithalten können. Der Unterschied zu den Spielern aus den Leistungszentren ist nicht so groß.“

Einer, der den Sprung zum großen Nachbarn gerade versucht, ist Eren Dinkci. Der Mittelfeldspieler ist noch bei der U19 der Borgfelder aktiv und trainiert derzeit auch bei Werders A-Junioren mit. Für die jungen Nachwuchsspieler in Borgfeld eröffnet sich also gerade eine riesige Chance. Bahar ist sich aber nicht sicher, ob seine Akteure das auch schon alle verstanden haben: „Klar wird nicht jeder von denen Profi-Fußballer, aber sie müssen in den Kopf bekommen, dass es ein Privileg ist, jede Woche gegen die Besten ihres Jahrgang zu spielen.“ Wobei einige sogar noch dem jüngeren Jahrgang angehören. Leandro Almeida und Kerem Genc zum Beispiel, die jeweils Stammspieler sind.

Das Trainerteam musste sich viel Kritik anhören, dass es auf so viele Fußballer des jüngeren Jahrgangs 2003 setzt, kann damit aber umgehen. „Im nächsten Jahr sind sie dann schon einige Schritte weiter und können vielleicht direkt wieder oben angreifen. Das Gerüst mit diesen zehn Spielern wird hungrig sein“, meint Bahar, der damit auf einen möglichen Wiederaufstieg im Fall des Abstiegs abzielt. Doch soweit wollen sie es in Borgfeld möglichst nicht kommen lassen. „Ich sage immer noch, dass wir den Klassenerhalt schaffen können“, sagt Bahar und ergänzt: „Wenn wir es schaffen, eine Serie zu starten, hält uns nichts mehr auf. Wir brauchen nur endlich ein Erfolgserlebnis.“

Damit der Borgfelder Bundesliga-Traum nicht zur Eintagsfliege wird, sollten die Wümme-Kicker aber nicht allzu lange damit warten, diesen ersten Erfolg einzufahren. An diesem Wochenende sind sie spielfrei. In der Woche darauf können sie in der Hauptstadt bei Hertha BSC Berlin den nächsten Angriff auf den ersten Dreier starten. Die Mannschaft ist laut Bahar weiter topmotiviert: „Wir haben immer mindestens 90 Prozent Trainingsbeteiligung. Die Jungs reißen unglaublich viel und haben Bock.“ Allerdings müssen nun auch Erfolgserlebnisse kommen, sonst war’s das bald mit dem restlichen Funken Euphorie.

„Wenn wir es schaffen,eine Serie zu starten,hält uns nichts mehr auf.“ Burak Bahar

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Kurier am Sonntag Seite: 25 Datum: 11.11.2018

Arbeiten für das große Ziel Bundesliga-Klassenerhalt: Die B-Jugend-Kicker des SC Borgfeld beim Crosstraining. Foto:Frank Thomas Koch
 
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