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21.03.2019

Von der U19 bis zur U15 muss sich der SC Borgfeld ab dem 1. Juli komplett neu aufstellen. Zumindest, was die drei Leistungsmannschaften des Vereins betrifft. Burak Bahar, Janik Brüggemann und Sven Duschner, jenes Trainergespann, das vor zweieinhalb Jahren an der Wümme anheuerte, sucht nach dieser Saison nämlich das Weite. Derzeit sind die drei Trainer für die U19-Regionalliga-Mannschaft und die U17-Bundesliga-Mannschaft zuständig. Obendrein sagt auch U15-Coach Roman Birk: „Nach dem 30. Juni ist für mich definitiv Schluss.“

Die Gründe für den Abgang der vier äußerst leistungsorientiert denkenden Trainer sind deckungsgleich. Sie sehen die Richtung, die vom Vorstand vorgegeben wird, nicht mehr äquivalent zu ihren eigenen Ideen. „Ich habe lange den Mund gehalten und einfach meine Arbeit gemacht, aber jetzt ist meine Geduld leider auch mal am Ende“, meint ein enttäuschter Burak Bahar, der gerade mit den B-Junioren den ersten Sieg in der U17-Bundesliga feierte, aber besonders im letzten halben Jahr einen deutlichen Stimmungswechsel im Verein ausgemacht hat: „Kaum blieben die guten Ergebnisse mal etwas aus, wurde hinter unserem Rücken vieles schlecht gemacht.“

Dabei hat der angehende A-Lizenz-Trainer das Gefühl, dass die Erwartungen enorm hoch waren: „Aber es war doch klar, dass es brutal schwer in der Bundesliga werden würde. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es einige hier sogar freut, dass die Erfolgsserie nicht so weitergegangen ist.“ Dass der Verein aber auch einige Ideen der Trainer angenommen hat, betont Bahar ebenfalls ausdrücklich. Allerdings sei auch einiges in dieser Spielzeit wieder zurückgedreht worden – und der Coach nennt ein konkretes Beispiel: So trainieren die B-Junioren freitags immer in Oslebshausen, um zumindest einmal in der Woche einen kompletten Kunstrasenplatz nutzen zu können.

Ultimatum sorgt für Frust

Bahar fehlt bei der Verteilung der Trainingsplätze eine Abstufung nach Leistung: „Am Anfang dieser Saison wurde auf einmal gesagt: egal, ob Leistungsmannschaft oder nicht, ihr trainiert mal auf dem Acker und mal auf dem Kunstrasen. Da wurde nicht mehr groß unterschieden. Wie sollen wir dann aber in der Bundesliga mithalten? Das geht nicht.“ Außerdem ärgerte sich Bahar über ein Ultimatum, dass ihm der Verein offenbar stellte: „Eigentlich müsste der Klub doch alles dafür geben, dass wir bleiben.“ Stattdessen mussten sich laut Bahar alle Leistungstrainer bis zum 31. Januar entscheiden, ob sie bleiben wollen.

Bahar versuchte erneut auszuloten, ob Leistungsfußball noch gewollt ist oder nicht und bot sogar seine Dienste als Sportlicher Leiter in einer hauptamtlichen Tätigkeit an. „Wenn ich das nicht machen soll, braucht der Verein aber auf jeden Fall jemand anderen, der diesen Posten bekleidet“, empfiehlt er den Borgfeldern. Darüber hinaus bot Heinrich Marschollek, der lange Zeit für den Verband arbeitete, seine Expertise an – worauf der Verein aber gleichfalls nicht einging, was auch Roman Birk wundert: „Wenn man dieses Wissen nicht nutzt und einen Heinrich Marschollek nicht mit Kusshand nimmt, dann weißt du, in welche Richtung es geht“, sagt der bald scheidende U15-Coach. Für Birk, der die C-Junioren des Vereins derzeit geradewegs Richtung Regionalliga-Aufstieg führt, ist eine Sache klar: „Dass man Geduld braucht, um alles aufzubauen, ist klar. Aber ein bisschen professioneller sollte man das schon angehen.“ Bahar und Birk sagen zudem, dass der Verein die U15 überhaupt nicht für die Regionalliga melden will. Jugendleiter Andreas Grisar sagte, darauf angesprochen, nur: „Die Meldefrist für Aufsteiger ist am 15. Mai.“ Auf alle anderen Themen wollte Grisar nicht eingehen, verwies stattdessen auf eine Pressemitteilung – die dann allerding erst fünf Tage nach dem ursprünglich angekündigten Erscheinungstermin veröffentlicht wurde.

Dort heißt es im Wortlaut: „Wir bedauern diesen Schritt sehr, danken dem Trainerteam aber für die tolle Zusammenarbeit und wünschen Ihnen für anstehende neue Aufgaben viel Erfolg.“ Neue Herausforderungen nennt der Borgfelder Vorstand als Grund für die Trennung. Entsprechende Nachfolger für die U19 und U17 stehen indes schon fest. Die U19 übernimmt Marcus Werle, der bereits jetzt zum Team dazustößt. Das sei vor der Saison bereits so abgesprochen gewesen. „Ein echter Hochkaräter“, lässt der Verein in der Pressemitteilung verlauten, immerhin komme Werle aus dem Leistungszentrum von Werder Bremen. Bei der U17 rückt der jetzige Co-Trainer Yimin Ehlers auf.

Obwohl gleich vier Architekten der jüngsten Borgfelder Erfolge im Jugendfußball nun also von Bord gehen, sieht sich der Wümme-Klub gut aufgestellt, verkündet: „Wir sind überzeugt, dass wir damit für die Zukunft hervorragende Strukturen geschaffen haben, die bisher geleistete Nachwuchsarbeit im SC Borgfeld weiter voranschreiten zu lassen.“ Einen Nachfolger für Roman Birk konnte der SC noch nicht präsentieren. Grisar zeigte sich überrascht von dem Ausscheiden des U15-Coaches. Und auch Yvonne Mronga, die die Jugend-Leistungsteams als Physiotherapeutin betreut, wird ihre Tätigkeit mit Ablauf der Saison beenden – aus privaten Gründen, wie es in der Pressemitteilung des Vereins heißt.

Ugur Biricik bleibt Trainer

Es ist schon ein wenig bizarr: Da äußerte sich der SC Borgfeld nach vielen Tagen des Schweigens endlich zu dem Thema, dass die Bremer Fußballszene jetzt schon seit einiger Zeit beschäftigt: Zum Rücktritt des kompletten Trainerteams um Burak Bahar, der mit seinen Kollegen als Baumeister der unglaublichen Borgfelder Erfolgsstory im Jugendfußball gilt. Und dann beginnt der Verein jene Pressemitteilung mit folgendem Satz: "Der SC Borgfeld hat sich mit dem Trainer der 1. Herren, Ugur Biricik, auf eine Verlängerung seines bestehenden Vertrages um ein Jahr für die neue Saison geeinigt." Keine Frage: Das ist eine sehr gute Nachricht für den Klub von der Wümme. Auf der anderen Seite fragt man sich, warum diese Nachricht im Zusammenhang mit den Vorgängen in der Jugendabteilung verkündet wird. Und vor allem: Warum der Verein diese so wichtige Nachricht in nur einem einzigen Satz unkommentiert stehen lässt? So oder so: Biricik wird im Sommer in seine vierte Saison als Borgfelder Trainer gehen. Als Co-Trainer wird ihm dann übrigens Nico Schulze zur Seite stehen.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 8 Datum: 12.03.2019

 
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