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23.02.2019
Eichen im Abseits
Mögliche Fällung einiger Bäume auf dem Sportgelände des SC Borgfeld sorgt für rege Diskussionen

Von Petra Scheller und Antje Stürmann

Ungemütlicher Nordwind fegt über die Fußballsportanlage des SC Borgfeld. Vereinssprecher Dirk-Jochen Beckmann und der erste Vorsitzende Thomas Kaessler laufen an den vorderen Sportplätzen vorbei. Auf dem hinteren Teil des Weges stehen Eichen. Die Bäume wiegen sich im Wind. Fünf von ihnen sind bereits gekippt. Elf weitere sollen demnächst gefällt werden. Beckmann zeigt ein Foto auf seinem Smartphone vom vergangenen Sommer. Ein buschiger Baum liegt direkt am Spielfeldrand. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. "Hier trainieren Kinder, Jugendliche und Erwachsene", sagt der Vereinssprecher. "Die Bäume bergen inzwischen eine erhöhte Unfallgefahr." Deshalb sollen sie an dieser Stelle weichen.

Nachbarn in der Straße Hinter dem Großen Dinge hat diese Neuigkeit, die sich schnell von Mund zu Mund und über soziale Netzwerke verbreitet habe, in "helle Aufruhr" versetzt, berichtet Martin Schumacher, Fraktionsmitglied der Borgfelder Grünen. Der ehemalige Beiratspolitiker hatte vom Hörensagen von der Baumfällaktion gehört und sich daraufhin an die Bremer Umweltbehörde gewandt, jedoch bislang keine Rückmeldung erhalten. Er war deshalb selbst vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Die Fällung der Bäume hält er für "unverhältnismäßig". Vom Borgfelder Ortsamtsleiter habe er erfahren, dass ein angrenzender Graben das Wurzelwerk der Eichen destabilisiere. Das Argument hält Schumacher für fadenscheinig oder zumindest für fragwürdig.

"Bäume in der Stadt sind immer ein emotionales Thema, auch wenn es, wie hier, keine unmittelbaren Anwohner gibt", erklärt dazu der Sprecher der Sportbehörde, Bernd Schneider, auf Nachfrage. Das Sportamt ist in dieser Sache zuständig, weil der Verein auf einer städtischen Anlage spielt. Das Amt ist in der Verantwortung, den Platz in einem nutzbaren Zustand zu halten, erklärt Schneider. Zurzeit bestehe an den Platzrändern eine erhöhte Unfallgefahr. Das Sportamt habe deshalb eine Fällgenehmigung bei der Umweltbehörde eingereicht. Diese beschäftige sich gerade mit dem Thema.

Inzwischen geht die Debatte in sozialen Medien und in der Nachbarschaft weiter. Obgleich, so betonen die Vereinssprecher und auch das Sportamt, auf jeden Fall ein Ausgleich für die zu fällenden Bäume erfolgen muss. Kaessler zeigt auf den hinteren Teil des Sportgeländes. "Im hinteren Bereich sind keine Spielflächen", erklärt er. Dort hätten Bäume einen besseren Platz. Die Vereinssprecher betonen, dass auch sie ein "grünes Herz" hätten und die Pflanzung neuer Bäume für sie eine Selbstverständlichkeit sei.

Umweltbehörde bremst

"Bäume, die schon stehen, sieht man, Bäume, die erst noch gepflanzt werden, sind etwas Abstraktes. Insofern ist es verständlich, dass die Menschen den Baumbestand verteidigen" hat Behördensprecher Schneider Verständnis für Bedenken. Andererseits  müsse der Umgang mit der Vegetation in der Stadt rational bleiben. "Wir haben direkt auf dem Sportplatz einen sicheren Standort für Nachpflanzungen, an dem ein schöner Hain entstehen wird", sagt auch Schneider.

Doch das kann wohl noch eine Weile dauern. So ist es vom Sprecher der Umweltbehörde, Jens Tittmann, auf Nachfrage zu hören. Tittmann moniert den Antrag, der ihm zwar vorliege, der jedoch einen Formfehler enthalte. "Das Sportamt ist Mieter. Immobilien Bremen muss den Antrag stellen", so der Sprecher. Tittmann weist darauf hin, dass es sich bei dem Antrag um eine "Befreiung für das Baumfällverbot eines geschützten Baumes handelt". Seine Behörde habe zwei Möglichkeiten, sagt Tittmann. Entweder sie warte, bis sich die befugte Antragstellerin melde – nämlich die für städtische Grundstücke und Gebäude zuständige Gesellschaft Immobilien Bremen – oder sie suche selbst das Gespräch mit dem Sportamt. Weiter sei man in der Sache bislang nicht. Liegt ein formfehlerfreier Antrag vor, will die Umweltbehörde zunächst über einen unabhängigen Gutachter prüfen lassen, ob die Bäume tatsächlich gefällt werden müssen. Einen zeitlichen Rahmen kann Tittmann nicht abschätzen. Die Sache sei im Prinzip ja noch nicht einmal auf den Weg gebracht.

Genau darin liegt die Krux: "Baumfällarbeiten sind bis Ende Februar zulässig, die Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen, die Bäume  fällen, sind in dieser Zeit besonders gefragt. Wir hoffen, dass die Genehmigung so rechtzeitig kommt, dass die Fällaktionen noch im Februar abgeschlossen werden können", hofft indes der Sprecher der Sportbehörde. Nach einer Begehung vor Ort sei man sich sicher, dass die Bäume gefällt werden sollten, "weil das Wurzelwerk den schmalen Weg auf dem Sportplatz und inzwischen auch den Sportplatz selbst schädigt", so Schneider. Der Weg werde damit zunehmend unsicher, es bestehe Stolpergefahr. Auch die Standsicherheit der Bäume an diesem Ort – mit dem Weg auf der einen und einem  Wassergraben auf der anderen Seite – sei gefährdet.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 1 Datum: 09.02.2019

Die Vereinschefs des SC Borgfeld, Dirk Jochen Beckmann und Thomas Kaessler (v.l.) hoffen gemeinsam mit dem Bremer Sportamt darauf, dass diese Eichen noch im Februar gefällt werden können. Laut Sportbehörde stellen die Bäume eine Unfallgefahr dar. Foto: Maximilian von Lachner
 
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