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02.08.2021
Katja und Farina Meyer (von links) verstehen sich – vor allem, wenn Mutter und Tochter gemeinsam auf dem Fußballplatz stehen und im gleichen Team kicken.FOTO: HENNING HASSELBERG

„Es klappt mit uns viel besser auf dem Platz als erwartet.“
Katja und Farina Meyer „Mama-Rufe“ auf dem Rasen SCB-Kickerin Farina Meyer weigert sich standhaft, ihre Mutter „Katja“ zu nennen
 
Was im Fußball eigentlich sehr ungewöhnlich ist, gab es bis vor kurzem beim Frauen-Landesligisten SC Borgfeld gleich in fünffacher Form: Fünf Mütter spielten zusammen mit ihren jeweiligen Töchtern in einem Team. Mit Katja und Farina Meyer ist zumindest ein Duo übrig geblieben, das regelmäßig in der Stammelf der Frauen von Coach Kay Hüner zu finden ist.
VON KARSTEN HOLLMANN
Katja Meyer vom Frauen-Fußball-Landesligisten SC Borgfeld hat sich längst an die Tatsache gewöhnt, dass sie von einer Mitspielerin auf dem Feld „Mama“ gerufen wird. „Ich werde es mir auch nicht abgewöhnen, sie so zu nennen. Ich kann meine Mutter nicht wie alle anderen im Kader Katja rufen“, erklärt Tochter Farina Meyer, die seit der vergangenen Saison zusammen mit ihrer Mutter Katja in einem Team aufläuft. „Es klappt mit uns viel besser auf dem Platz als erwartet“, erklären beide Akteurinnen unisono.
Katja Meyer würde sich zwar gerne einer Seniorinnenmannschaft anschließen, es existiert aber keine. „Es gibt keine Alternativen für uns ältere Spielerinnen“, lässt Katja Meyer wissen. Die 42-Jährige ergänzt sich aber hervorragend mit ihrer 25 Jahre jüngeren Tochter auf dem Rasen. „Farina hat einen starken linken Fuß und ist sogar beidfüßig. Ich habe dagegen nur einen rechten Fuß. Während meine Tochter gerne mit viel Dampf über Linksaußen kommt, setze ich mich lieber in der Sturmmitte im Zweikampf durch“, informiert Katja Meyer. Die Goalgetterin profitiert bei ihren vielen Toren nicht selten von einer Vorlage ihrer eigenen Tochter. „Ich lasse mich gerne von Farina bedienen. Dann muss ich selbst nicht so viel laufen“, sagt die Ehefrau vom Co-Trainer der Borgfelder Herrenriege, Holger Meyer.
Farina Meyer hat mit dieser Rollenaufteilung überhaupt kein Problem: „Ich laufe sehr gerne. Wenn meine Mutter dann trifft, bleibt das Tor wenigstens in der Familie.“ Ursprünglich wollte Katja Meyer mal ihre Schuhe an den Nagel hängen, wenn Farina Meyer in den Damenbereich aufrückt. Nun hat die Erzieherin das Karriereende um ein paar Jahre nach hinten verschoben: „Wenn meine andere Tochter Mareille bei den Damen spielt, höre ich endgültig auf.“
Mareille Meyer ist zwölf Jahre alt und kickt für die Mädchenriege der SG Findorff. Auch Farina Meyer wuchs in der Findorffer Jugend auf, allerdings bei den Jungs. „Irgendwann war der Unterschied zwischen den Jungs und den Mädchen aber einfach zu groß. Deshalb bin ich zu den Frauen des SC Borgfeld gewechselt“, teilt Farina Meyer mit.
Hier sei sie von allen sehr herzlich aufgenommen worden, so die Elftklässlerin. Die 17-Jährige schwärmt auch von ihrem neuen Trainer Kay Hüner: „Der hat uns viele neue Sachen beigebracht.“ Katja Meyer ist ebenfalls begeistert vom neuen Trainerteam mit Kay Hüner und Sebastian Bonke: „Es macht richtig Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Die Trainingsbeteiligung ist auch sehr gut.“ Der Verbandsliga-Absteiger befindet sich zwar nach Abschluss der Hinrunde in der Bremer Landesliga auf keinem der beiden Aufstiegsplätze, liegt aber dicht dahinter in Lauerstellung. „Wenn wir alles umsetzen, was uns unsere Trainer sagen, dann haben wir auch noch die Chance zum direkten Wiederaufstieg. Das Potenzial in der Mannschaft ist auf jeden Fall groß genug“, urteilt Katja Meyer.
In der vergangenen Serie liefen mit Katja und Farina Meyer, Petra und Nina Luschei, Ulrike und Laureen Kehlenbeck, Constanze und Jule Daum sowie Stina und Inka Engelmann sogar noch fünf Mutter-Tochter-Kombinationen für den SC Borgfeld auf. Die Luscheis, Meyers und Daums sind auch nach wie vor dabei. Petra Luschei befand sich aber drei Monate im Ausland und kehrte erst nach einer längeren Pause zurück. Constanze Daum rückte zudem als Ersatzkeeperin ins zweite Glied zurück. So gut wie immer in der ersten Elf sind nur Katja und Farina Meyer zu finden, ebenso wie Katjas Schwester Julia Meyer.
Farina Meyer genießt das Zusammenwirken mit ihrer Mutter und nimmt gerne deren Ratschläge an: „Meine Mutter reflektiert mein Spiel ganz hervorragend und gibt mir nach den Partien immer wichtige Tipps.“ Die familiäre Spielanalyse ist zu einem festen Bestandteil geworden.
Farina Meyer sieht auch ein sehr praktisches Argument, mit ihrer Mutter in einem Team zu spielen: „Das hat den Vorteil, dass ich mir keinen Gedanken machen muss, wie ich zum Training komme.“ Die anfängliche Skepsis hinsichtlich der Familien-Harmonie auf dem Feld ist längst einer großen Freude über das Zusammenwirken gewichen. Die angehende Abiturientin kann es nun kaum erwarten, mit ihrer kleinen Schwester Mareille zusammenzuspielen: „Da müssen wir uns aber noch auf einen gemeinsamen Verein einigen.“ Mutter Katja Meyer würde sich von ihrer Tochter Farina wünschen, Katja auf dem Rasen genannt zu werden: „Das Mama-Gerufe fand ich vor allem am Anfang nicht so toll.“


© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 6 Datum: 27.12.2012

 
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