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02.08.2021

Was Borgfelds B-Junioren-Coach Burak Bahar über die aktuelle Erfolgsserie seiner Mannschaft denkt

Burak Bahar hat die B-Junioren des SC Borgfeld im Sommer 2016 übernommen und führte das Team in der vergangenen Saison in die Regionalliga Nord. Davor trainierte der Inhaber der Elitejugendlizenz die B-Junioren des TuS Komet Arsten, mit denen er aus der Regionalliga abstieg. Mit den Borgfeldern startete Bahar mit drei Siegen in die neue Saison und steht aktuell auf dem ersten Tabellenplatz, der am Ende der Spielzeit zum direkten Aufstieg in die B-Junioren-Bundesliga berechtigen würde.

Herr Bahar, Sie sind mit neun Punkten aus drei Spielen beinahe schon sensationell in die Regionalliga gestartet. Wo in Ihrer Wohnung haben Sie eigentlich die aktuelle Tabelle aufgehängt?

Burak Bahar (lacht): Ausgedruckt habe ich die Tabelle nicht. Ich habe sie aber immer in meinem Handy in der Hosentasche bei mir. Natürlich ist die Situation nur eine Momentaufnahme, aber der aktuelle Blick ist logischerweise sehr angenehm.

Aber mal im Ernst, ist Ihnen nicht schon mal ganz kurz der Gedanke gekommen, dass der aktuelle Platz eins am Ende sogar für die Bundesliga reichen würde?

Die Bedeutung der grünen Farbe, mit der unser erste Platz hinterlegt ist, ist mir durchaus bewusst. Wir müssen aber den Ball ganz flach halten, da meine Mannschaft immer über ihre Leistungsgrenze gehen muss, um überhaupt in der Regionalliga zu punkten. Von der Bundesliga sind wir als Verein mit unseren Rahmenbedingungen sehr weit entfernt. Ähnliches trifft nach sportlichen Gesichtspunkten auf meine Mannschaft zu. Generell würde ich den Schritt in die Bundesliga in einem Bundesland wie Bremen mit seinen begrenzten strukturellen und finanziellen Möglichkeiten, aber auch limitiertem Spielermaterial als echtes Himmelfahrtskommando betrachten.

Als der SC Borgfeld vor zwei Jahren schon einmal, damals mit den A-Junioren, in der Regionalliga antrat, gab es im Gesamtverein aufgrund der Tendenz vom breitensport- zum leistungsorientierten Klub nicht nur Befürworter. Wie empfinden Sie aktuell die Rückendeckung im Verein?

Offen gestanden bin ich sehr positiv überrascht. Es sind immer Skeptiker vorhanden. Und nicht wenige Zuschauer haben sich in unserem ersten Heimspiel gewünscht, dass wir gleich mal eine richtig hohe Niederlage kassieren. Mittlerweile hat sich das Blatt nicht zuletzt aufgrund der Erfolge doch gewendet. Erstaunlich viele Eltern und Fans begleiten uns auf den weiten Auswärtsfahrten. Diese Unterstützung empfinde ich als absolut ausreichend. Mehr wäre in diesem jungen Alter auch gar nicht gut.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Sie fahren einen enormen Aufwand. Was machen Sie im Vergleich zur letzten Saison in der Verbandsliga anders?

Ein wesentlicher Vorteil ist, dass wir Co-Trainer Dominic Volkmer dazubekommen haben und so vermehrt in kleineren Gruppen arbeiten können, gerade auch im taktischen Bereich. Außerdem erhalten unsere Torhüter mit Janik Brüggemann ein gezieltes Training. Durch meine absolvierte Elitejugendlizenz konnte ich darüber hinaus viele Kontakte knüpfen. So erhalte ich häufig in der Vorbereitung auf eine Partie Videomaterial, mit der wir die Schwächen des gegnerischen Systems analysieren. Nicht zuletzt haben wir alle zwei Wochen einen zusätzlichen vierten Trainingstag eingeführt.

Mit Verteidiger Tom Zielinski haben Sie kürzlich einen Spieler verloren, der zumindest vorübergehend diesen Aufwand nicht mehr bewältigen möchte. Was halten Sie von einer solchen Entscheidung?

Natürlich kann ich die Entscheidung nachvollziehen, auch wenn ich sie gerade in diesem speziellen Fall äußerst schade finde. Tom hat ein derartiges Talent, mit dem ich ihm zur rechten Zeit am richtigen Ort sogar den Sprung in noch höhere sportliche Sphären zugetraut hätte. Wir sind aber jetzt generell in einem Bereich, in der sich jeder junge Spieler entscheiden muss. Möchte er den Leistungsgedanken weiter verfolgen und sich so auch privat einengen, oder soll der Spaß am Fußball hauptsächlich im Vordergrund stehen und zudem noch Platz für andere Hobbys und private Termine in der Freizeit sein.

Ihr Torhüter Tom Petter Rode hat noch keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen müssen. In der vergangenen Sommerrunde waren es auch gerade mal sechs in elf Partien. Was ist das Geheimnis Ihres starken Defensivsystems?

Wir reden viel mit den Spielern und zeigen ihnen auf, was passiert, wenn sie ihre Aufgaben vernachlässigen. Dies vor Augen, versuchen sie, stets hellwach zu sein und gepaart mit einer enormen Laufbereitschaft gerade diese Fehler entsprechend zu vermeiden. Einfacher macht es für mich, dass meine Spieler fußballerisch sehr intelligent sind. Ich muss nie etwas fünfmal erklären. Details werden erstaunlich schnell abgespeichert und umgesetzt.

Sie sprechen häufig von einem starken Mannschaftsgeist und Kollektiv. Gibt es dennoch bedeutsame Schlüsselspieler in Ihrer Mannschaft?

Daniel Hefele und Ali Cetin gehen mit ihrem großen Willen voran und helfen den Mitspielern. Ich würde sie als meine verlängerten Arme auf dem Platz bezeichnen. Daniel stahlt im Mittelfeld eine enorme Ruhe aus und gewinnt 90 Prozent seiner Kopfballduelle im Zentrum. Bei Ali Cetin fällt mir zudem seine überragende Schusstechnik ein, die kein zweiter in unserem Kader besitzt.

So schön die momentane Situation auch ist. Gerade bei einem Aufsteiger ist es wahrscheinlich, dass es irgendwann erste Rückschläge geben wird. Was glauben Sie, wie Ihr Team damit umgehen wird?

Auch wenn es komisch klingt: Ich freue mich auf unsere erste Niederlage. Erst dann werden unsere Defizite für alle sichtbar offengelegt, und ich kann der Mannschaft vermehrt an Beispielen aufzeigen, was wir noch verbessern müssen. Insofern bin ich überzeugt davon, dass wir sogar noch gestärkt daraus hervorgehen werden.

Sie meinten zuletzt, dass eine Niederlage am Sonntag beim JFV Hanse Lübeck Ihre tolle Ausgangslage komplett zunichtemachen würde. Wie meinen Sie das genau?

Jeder kann die Tabelle lesen. Bei einem eventuellen Absteiger aus der Bundesliga sind es gerade mal sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. In einer Liga, die extrem ausgeglichen ist, bedeuten sechs Punkte überhaupt nichts. Wenn wir die Leistung jetzt nicht bestätigen, können wir schnell auch mal in einen Negativstrudel hineingeraten. Wir wollen weiter Gas geben und vor allem den Gegner nicht unterschätzen.

Die Fragen stellte Frank Mühlmann.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 12 Datum: 23.09.2017

 
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