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02.08.2021
Unbegleitete Jugendliche kommen im Oktober / Schule und Sportvereine müssen nun nach Lösungen suchen

Von Michael Schön

Borgfeld wird nach den Jugendlichen, die jetzt in Containern auf der Warft leben, weitere Flüchtlinge aufnehmen. Sie dürften ab Oktober in der städtischen Sporthalle der Grundschule Am Borgfelder Saatland untergebracht werden. Dem Borgfelder Ortsamtsleiter Gernot Neumann-Mahlkau sind bis zu 100 Flüchtlinge avisiert worden. Diese Zahl stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass sich „die Dinge noch im Planungsstadium“ befinden. Laut Sozialbehörde handelt es sich um eine „vorübergehende Unterbringung“. Wann die Halle den sie nutzenden Sportlern des SC und des TSV aus Borgfeld sowie weiteren Vereinen aus der näheren Umgebung wieder zur Verfügung steht, ist also völlig ungewiss. Fest steht nur, dass sie vom kommenden Montag an gesperrt ist.

Dann sollen auch schon die notwendigen Umbauten beginnen. Neumann-Mahlkau rechnet damit, dass die neuen Gäste aus dem Krisengebiet, bei denen es sich ebenfalls um unbegleitete Jugendliche handelt, Mitte des nächsten Monats ihre provisorische Unterkunft beziehen werden. Die Sporthalle in Borgfeld-West ist bereits die siebte, die das Bremer Sozialressort für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Laut Ortsamtsleiter ist der Borgfelder Beirat von der Entscheidung des Sozialressorts vorab nicht informiert worden. Wie die Halle auf der Bezirkssportanlage in Hemelingen sei auch Borgfeld ausgewählt worden, teilte Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), mit, weil das „weniger Einschränkungen“ für den Sport bedeuten würde als bei anderen Hallen.

Die CDU-Fraktion im Borgfelder Beirat hat unterdessen die Vorgehensweise der Behörde in mehrfacher Hinsicht kritisiert. Die Behörde habe ohne die gesetzlich vorgegebene Beiratsbeteiligung Fakten geschaffen. „Die Wahl dieser Sporthalle stellt gerade aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger im unmittelbar angrenzenden Wohngebiet Borgfeld-West zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen nicht hinnehmbaren Verstoß gegen das Prinzip der gerechten Verteilung von Belastungen und Einschränkungen dar“, so die Christdemokraten.

Außerordentliche Beiratssitzung

Der Borgfelder Beirat trifft sich am kommenden Dienstag, um in einer außerordentlichen Sitzung über die Situation zu beraten. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Schützenhalle.

Auch von der Schule und den Sportvereinen ist jetzt Handlungsschnelligkeit gefordert. Heidi Bierstedt, die Vorsitzende des rund 2000 Mitglieder starken TSV Borgfeld, war gestern morgen damit beschäftigt, einen Notfallplan zu entwickeln. Für Training und Spiele sollen die vereinseigene Halle am Hamfhofsweg und die Schulturnhalle an der Katrepeler Landstraße stärker als bisher in Anspruch genommen werden. Der TSV Borgfeld, der am Mittwochnachmittag vom Landessportbund über die neue Lage in Kenntnis gesetzt wurde, bietet unter anderem Leichtathletik, Badminton und Faustball an. Auch der auf Fußball spezialisierte SC Borgfeld muss nach Lösungen suchen. Vorsitzender Hajo Hilken wies darauf hin, dass vor allem mit Blick auf die Jugendmannschaften Flexibilität gefragt ist. „Die Indoor-Saison steht quasi vor der Tür.“ Wenn er nach neuen Hallenzeiten Ausschau hält, hat er vor allem die Schulsporthalle in der Bergiusstraße in Horn-Lehe und die Halle in der alten Borgfelder Schule im Visier. Hilken erwägt auch die Option, sich bei einem kommerziellen Anbieter einzumieten. Zuvor müsse freilich geklärt werden, wer für die so entstehenden Kosten aufkomme.

Möglicherweise am stärksten tangiert ist die Schule Am Borgfelder Saatland, weil es sich um eine verlässliche Grundschule mit Ganztagsangeboten handelt, zu denen auch Bewegungsspiele gehören.

Was die Umbauten angeht, so soll laut Neumann-Mahlkau zunächst einmal ein „neuer Boden rein“. Die Hallen wurden ja nicht als Unterkunft für Flüchtlinge gebaut, weshalb sie normalerweise nur mit Sportschuhen betreten werden. „In anderen Hallen hat man bei der Unterbringung von so vielen Menschen schlechte Erfahrungen gemacht, und deshalb soll der Belag geschützt werden“, erklärt der Ortsamtsleiter. In der Folge sollen Trennwände aufgestellt und geprüft werden, ob die vorhandenen Sanitäreinrichtungen unter den veränderten Bedingungen ausreichen.

Borgfeld ist gewöhnt an den Umgang mit Flüchtlingen. Im Wohnheim an der Warft kümmern sich viele Menschen, allen voran Freiwillige aus den Sportvereinen, um die aus Krisengebieten eingetroffenen Menschen. Es sind 32, alle minderjährig und ohne erwachsene Begleiter nach Deutschland gekommen.

Anfangs hatte es massiven Widerstand gegen die Unterbringung der Heranwachsenden in den Containern gegeben, mit der im April begonnen wurde. Doch der hat sich längst gelegt. Für die intensive Betreuung der Neuankömmlinge werden freilich noch dringend ehrenamtliche Helfer gesucht. Das „Dorf“ auf der Warft, so Neumann-Mahlkau, sei durch die neue Lage nicht tangiert. Indirekt aber auf jeden Fall. Denn irgendjemand muss sich ja um die Hilfsbedürftigen kümmern, die im Oktober nach Borgfeld kommen. Neumann-Mahlkau hat da schon ein Auge auf die Betreuer von der Warft geworfen, die helfen könnten, Probleme zu lösen beziehungsweise sie garnicht erst entstehen zu lassen.


© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme-Zeitung Seite: 1 Datum: 25.09.2015

 
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