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16.12.2018

Bremer Fußball-Verband wirbt mit einem Führungskräfte-Programm um weiblichen Nachwuchs
Erst neulich hatte Petra Löffler wieder so ein Erlebnis der besonderen Art. Ein Sitzungsabend beim Bremer Fußball-Verband (BFV), 30 Männer sitzen im Raum und diskutieren über Fußball. Da geht ein Arm in die Höhe und eine Frau ergreift das Wort. Es ist Petra Löffler, 59 Jahre alt, Fußball-Funktionärin – und an diesem Abend mal wieder die einzige Frau unter all den Männern. Sie ist so etwas wie die Quoten-Frau beim BFV, auch wenn sie das gar nicht gerne hört. Aber ohne Frust sagt sie: „Wenn es um Macht und Führungspositionen geht, bleibt der Fußball eine Männer-Domäne.“

Dazu passen die Zahlen beim Bremer Fußball-Verband perfekt: 15 Personen umfasst der Vorstand, eine Frau ist nicht dabei. Das soll sich ändern, haben sie sich beim BFV gesagt, und legen deshalb jetzt ein Leadership-Programm auf. „Vielfalt in Gremien – Frauen im Fußball“ heißt es und soll dafür sorgen, dass endlich auch Frauen in Führungspositionen im Bremer Fußball kommen. Denn bislang, sagt Björn Fecker als Bremer Fußball-Boss, „ist unser Ehrenamtler im Schnitt über 50, weiß und männlich“. Um das zu verändern, bekommen ab dem 1. Dezember alle Bremer Fußball-Vereine Informationen über das Führungskräfte-Programm für Frauen.

Petra Löffler hat das bereits durchlaufen. 2016 hatte der Deutsche Fußball-Bund ein ähnliches Programm aufgelegt. Löffler hatte sich beworben und zählte zu den 22 Auserwählten, die dann professionell auf mögliche Führungsaufgaben vorbereitet wurden. Im Bremer Fußball hatte sie sich da längst einen Namen gemacht. Sie schaffte es, aus einem „Haufen Frauen“ (O-Ton Löffler) eine Fußballmannschaft zu formen, die für den SC Borgfeld bis in die Verbandsliga marschierte. Sie war dort im Vorstand tätig und kümmert sich heute im Beirat des BFV um Frauen- und Mädchenfußball.

Aber um was geht es eigentlich genau bei dem Bremer Führungsprogramm, das inhaltlich sehr an die DFB-Schulung angelehnt ist? Es ist aufgeteilt in drei Module. Zunächst geht es um „Führung und Selbstmanagement“. Dabei wird gezeigt, wie zeitgemäße Führung aussieht, welche unterschiedlichen Stile es gibt und welche Besonderheiten gerade beim Thema Ehrenamt zu beachten sind. Ein wichtiges Motto lautet: „Lerne erst dich selbst zu führen, bevor du andere führst“. Im zweiten Modul dreht sich alles um die Kommunikation. Dabei werden die Teilnehmerinnen in der Gesprächsführung geschult. Das dritte Modul heißt „Veränderungsmanagement“ und hat Petra Löffler besonders gut gefallen. „Das war spannend, weil ja jeder weiß, wie schwierig es ist, Dinge zu verändern, und welche Widerstände das hervorrufen kann.“

Löffler hatte das Glück, mit Hannelore Ratzeburg eine Mentorin an die Seite gestellt zu bekommen, die zu den Gründerinnen des Frauen-Fußballs in Deutschland zählt. „Wir sind noch heute freundschaftlich verbunden“, sagt sie. „Sie hat mir auch immer wieder erklärt, wie wichtig das Netzwerken ist.“ Und überhaupt habe sie bei dem Führungsprogramm erlebt, wie gerade junge Frauen immer mehr aufgetaut seien im Laufe der Zeit. „Denn es geht ja nicht nur darum, allgemein Frauen für das Ehrenamt im Fußball zu gewinnen, sondern gerade auch junge Leute zu schulen.“

Das weiß BFV-Boss Fecker nur zu gut. „Grundsätzlich“, sagt er, „sind wir im Fußball natürlich über jeden Ehrenamtler froh, egal ob männlich oder weiblich. Aber unsere Gremien spiegeln das reale Leben nicht mehr wider. Wir können nicht 50 Prozent der Gesellschaft ausblenden. Deshalb werben wir jetzt um Frauen, die sich nicht nur im Verband, sondern auch in den Vereinen engagieren.“

Es gebe in den Beiräten zwar vereinzelte Frauen. „Aber dass wir im Vorstand nicht eine einzige Frau haben, das ist schon auffällig. Es gilt jetzt, die Vielfalt zu verbessern“, sagt Fecker. Er weiß, wovon er spricht, schließlich war er beim Leadership-Programm des DFB selbst als Mentor beteiligt – und zwar für eine Schiedsrichter-Ansetzerin auf Kreisebene aus Schleswig-Holstein. Er hat die Funktionärin durch das Programm begleitet, sich mehrmals mit ihr getroffen und auch sonst immer Kontakt gehalten. „Als Mentor hat man ja eine ­beratende Funktion. Ich habe sie immer ­wieder ermutigt und unterstützt, den Weg in die Gremien des Fußballs zu finden.“ Und er hofft, dass das jetzt auch auf Bremer Ebene gelinge.

Petra Löffler ist da sehr optimistisch. „Ich bin gespannt, welche Frauen sich jetzt bewerben. Ich werde das Programm auf jeden Fall begleiten.“ Stellt sich natürlich die logische Frage: Und was ist jetzt mit Petra Löffler und Führungsaufgaben im Bremer Fußball? Sie muss ein bisschen schmunzeln. „Ich habe richtig Lust, hier was auf die Beine zu stellen. Aber das muss nicht zwangsläufig im Vorstand sein.“ Sie wolle jetzt eine Ausstellung über Frauen-Fußball organisieren, vielleicht sogar ein Buch über das Thema schreiben. Und weiter Frauen unterstützen, die sich trauen, in die Männer-Domäne Fußball einzudringen. Denn das sei auch klar: „Ich will hier ja nicht die Quoten-Frau bleiben.“

Das Leadership-Programm

Ab dem 1. Dezember wirbt derBFV ganz offensiv um Frauen, die Führungsaufgaben im Bremer Fußball übernehmen möchten. Insgesamt sind bis zu zwölf Plätze zu vergeben. Der BFV lässt sich das Programm eine mittlere vierstellige Summe kosten, die Inhalte wurden auch mit der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes abgestimmt. Interessierte Frauen können sich in ihren Vereinen informieren, beim BFV unter 0421 / 79 16 60 oder ab dem 1. Dezember unter bremerfv.de.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Weser-Kurier Seite: 28 Datum: 30.11.2018

Petra Löffler setzt sich seit Jahren für mehr Frauen im Bremer Fußball ein. Die Borgfelderin wurde für ihre Arbeit schon mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet und war auch Gast beim Schafferinnenmahl. Foto Frank Koch

 
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