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02.08.2021
SC Borgfeld rollt Thema mit Unterstützung aus dem Senatsressort neu auf – Politische Lösung gefordert

Von Petra Scheller

Die Diskussion um eine verkehrssichere Zuwegung zu den Sportplätzen des Fußball-Clubs SC Borgfeld wird neu aufgerollt. Seit vielen Jahren ringen Kommunalpolitiker, Bremische Behörden und Eigentümer von Privatwegen darum, wer den Ausbau der Zuwegung rings um das Sportgelände bezahlen soll. Längst sind sich alle Beteiligten einig, dass dringend gehandelt werden muss. Zu eng, zu dunkel, zu gefährlich ist die Zufahrt zu den Plätzen an der Straße Am Großen Dinge. Fuß- und Radwege fehlen, große Mannschaftsbusse können die enge Zuwegung kaum passieren. Nun haben sich die Beteiligten hinter verschlossenen Türen an einen Tisch gesetzt. Mit dabei waren der Fußball-Verbands-Präsident Björn Fecker und Staatsrat Jan Fries aus dem Sport-Ressort.

Bahnt sich nun eine Lösung an? „Wir sind auf dem Weg“, sagt der Präsident des Borgfelder Fußball-Clubs, Thomas Kaessler. „Wir haben alle Verwaltungsinstanzen einbezogen. Im Ergebnis ist über einen normalen Verwaltungsweg jedoch keine Lösung möglich“, resümiert der Vereinschef in einer Mitteilung. Unterstützung hat sich der SC-Borgfeld deshalb vom Netzwerker und Wirtschaftsexperten Rudolf Hickel geholt, der den Verein seit einem Jahr berät. Hickel wohnt in Borgfeld und ist Fußball-Fan. „Mich ärgert, dass es nach wie vor keine politische Lösung in der Sache gibt“, sagt er unverblümt.

Hickels Aufschlag bringt nun neuen Schwung in die alte Debatte. Doch einfach wird die Sache nicht. Komplizierte Eigentumsverhältnisse und Wegerechte haben bislang eine Einigung um den Ausbau der Strecke von der Borgfelder Allee bis zu den Fußballplätzen verhindert.

Vor zwei Wochen habe man sich deshalb erneut an einen Tisch gesetzt, berichtet Hickel. Mit dabei war, unter anderem, Jürgen Schilling. Der ehemalige Bauausschuss-Sprecher des Borgfelder Beirates ist Vertreter der sogenannten Teilungsinteressengemeinschaft Borgfelder Kuhweide. Das ist ein Zusammenschluss von 20 Landwirten und Eigentümern, denen ein Teil der Zuwegung zum Sportplatz gehört. Ebenfalls mit am Tisch saß der Chef der Projektbaugesellschaft Borgfeld (PBG), Gerd Lüken.

Anlass für die aktuellen Gespräche ist unter anderem der Bau einer Kunstrasenfläche auf dem Vereinsgelände. Nach dem ersten Spatenstich vor einigen Wochen hat sich die Anlieferung der Baumaterialien als Problem erwiesen. Über die enge Zuwegung müssen in Zukunft 40-Tonner zur Anlieferung von Sand und Schotter rollen, erklärt Hickel. Zugelassen waren bislang aber nur 26-Tonner. Ausgelegt sei der Weg eben nur für die Nutzung durch landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Die Wegerechte stammen aus dem Jahre 1880.

Das sei im Jahre 2020 ein Problem, erklärt Vereinschef Kaessler. „Die Zuwegung, die früher als Bewirtschaftungsweg angelegt war, wird heute durch die Besucher der Sportanlage genutzt. Und zwar zu über 90 Prozent.“ Trotzdem müsse die Interessengemeinschaft Borgfelder Kuhweide die Versicherungspflicht für den privaten Teil der Zuwegung schultern. „Und sie ist damit auch für Schäden und deren Folgen verantwortlich“, erklärt Hickel. Ein nicht haltbarer Zustand, sagen alle Beteiligten. Deshalb habe es in den vergangenen Monaten verschiedene Gespräche auf Staatsratsebene gegeben. „Die relevanten Ressorts sind hier nun in Abstimmungsgesprächen, die kurzfristig aufgenommen werden sollen“, sagt Kaessler.

Relevante Ressorts gibt es indes viele. Denn die Zuständigkeiten sind vertrackt. Die Sportanlage des SC Borgfeld hat das Bremer Sportamt von Immobilien Bremen gepachtet – deshalb sitzt Staatsrat Jan Fries mit am Verhandlungstisch. Die Liegenschaft gehört dem Sondervermögen Immobilien und Technik (SVIT), welches im Auftrag des Finanzsenators von Immobilien Bremen verwaltet wird, heißt es einem aktuellen Sachstandsbericht. Der Bericht liegt der Redaktion vor. Die Wege zur Sportanlage gehören der Teilungsinteressengemeinschaft Borgfelder Kuhweide und Immobilien Bremen. Letztere leisten zentrale Verwaltungs- und Technikdienste für Liegenschaften im Eigentum der Stadtgemeinde und sind auch Eigentümerin der Plätze des Fußballvereins. Die Interessengemeinschaft Borgfelder Kuhweide verantwortet die Pflege der öffentlichen Wege in diesem Gebiet. Dazu gehören der Kuhgrabenweg ab dem Jan-Reiners-Weg bis zum Deichverband sowie die Straßen Am Großen Dinge und Hinter dem Großen Dinge.

Jürgen Schilling ärgert sich über diese Regelung, denn sie sei über 138 Jahre alt. Die Zeiten haben sich grundlegend geändert, doch noch heute gilt eine Vereinbarung von 1880, die die Wegeverhältnisse in dem Gebiet bestimmt. Langfristig gibt es nur eine Lösung, sind sich Kaessler, Hickel und Schilling einig: Immobilien Bremen soll die volle Versicherungspflicht der Strecke übernehmen und sich zukünftig auch um den Ausbau der Zuwegung kümmern. Auf Nachfrage der Redaktion will sich Immobilien-Bremen-Sprecher Peter Schulz nach dem Status quo der Verhandlungen erkundigen. Kurzfristig könne er dazu nichts sagen, so der Sprecher.

Der Ball liegt jetzt im Spielfeld von Bremens Fußball-Verbands-Chef Björn Fecker – er ist auch Grünen-Fraktionschef und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft – sowie in den Händen von Staatsrat Jan Fries. Für das kurzfristige Problem, der Anlieferung von Baumaterialien für den Kunstrasenplatz, haben die beiden eine Sondergenehmigung versprochen, sagt Hickel.

Fecker und Fries sind während der Sommerpause nicht für eine Stellungnahme zu erreichen – wollen das aber nachholen, teilen ihre Sprecher mit. Das Dauerproblem sei damit aber nicht gelöst. „Die Stadt muss die Verantwortung für die Zuwegung zum Verein übernehmen“, sagt Hickel. Anders gehe es nicht.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme-Zeitung  Seite: 2  Datum: 25.08.2020

 
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