Deutsch
English
Español
Svenska
Русский
13.11.2019

Der SC Borgfeld hat alles im Griff, gibt die Partie in den letzten zehn Minuten aber aus der Hand – 3:4

Eigentlich stand dem dritten Saisonsieg des SC Borgfeld nichts im Wege. Zumindest mussten die rund 100 Zuschauer kaum befürchten, dass die 2:1-Führung des Fußball-Bremen-Ligisten im Heimspiel gegen die BTS Neustadt noch in Gefahr geraten würde. Eine Flanke, die Mika Lasse Kronschal an die Hand gesprungen sein soll, so sah es zumindest Schiedsrichter Bastian Norden, leitete indes zehn äußerst ereignisreiche Schlussminuten ein, an deren Ende die Borgfelder eine 3:4 (1:1)-Niederlage quittieren mussten.

Was war da bloß los gewesen? Diese Frage vermochte Trainer Ugur Biricik hinterher kaum zu beantworten. Ihm war es schleierhaft, wie sein Team diese Partie, die sie über weite Teile beherrscht hatte, noch abschenken konnte. Aber womöglich war die Dominanz der Borgfelder letztlich auch der Grund für die dritte Niederlage im laufenden Spielbetrieb. „Wir waren uns anscheinend zu sicher. Das waren wir auch schon in den Spielen zuvor“, erklärte ein sichtlich enttäuschter SCB-Coach Ugur Biricik, der angesichts zweier Platzverweise zudem von „dummen Fehlern“ sprach. „So etwas darf uns einfach nicht passieren“, betonte er. Mehr unglücklich als dumm war es indes, wie die Hausherren auf die Verliererstraße einbogen. Anders als „unglücklich“ ist die Flanke, die Mark Lasse Kroschel im eigenen Strafraum an die Hand sprang, nicht zu bezeichnen. Es war einer von wenigen Vorstößen der BTS, der prompt einen Handelfmeter zur Folge hatte. Marek Entelmann ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und schob sicher zum Ausgleich ein (80.).

Kaum von diesem Schock erholt, mussten die Hausherren den nächsten verkraften. Die inzwischen in Unterzahl agierenden Borgfelder – Marc-Patrick Tietjen sah wegen Meckerns seine zweite Gelbe Karte – kassierten nur eine Minute später das 2:3. Wieder war Marek Entelmann beteiligt, dessen Schuss SCB-Keeper Maximilian Hentrich zunächst noch zur Seite abwehren konnte. Den Abstauber setzte der eingewechselte Ferdi Saciri aber zur umjubelten Führung in die Maschen.

Die Rothemden suchten jetzt erst recht ihr Heil in der Offensive und bekamen in der Schlussminute noch einen Freistoß zugesprochen, den Kasim Uslu, allerdings unter gütiger Mithilfe von BTS-Keeper Oumar von Asseburg, unter die Latte setzte. Wer dachte, die turbulente Schlussphase wäre damit vorbei, der irrte. Zunächst sah Kasim Ulsu nach einem rüden Einsteigen die Rote Karte (90.), kurz darauf musste Jarno Böntgen verletzungsbedingt vom Platz. Da das Auswechselkontingent der Borgfelder aber bereits erschöpft war, mussten sie in dreifacher Unterzahl weitermachen. Die BTS hätte die numerische Überlegenheit durch Marek Entelmann fast vorzeitig mit dem Siegtor gekrönt, anders herum besaßen die Borgfelder durch Massimo Klüver noch eine gute Gelegenheit hierzu. Dann kam der Auftritt von Neustadts Entelmann, der sich in den finalen Sekunden ein Herz fasste, aus 30 (!) Metern traf und der kuriosen Schlussphase damit ein Nestädter Happy End setzte. Im ersten Abschnitt hatte Kasim Uslu die Hausherren mit einem feinem Heber über den BTS-Keeper hinweg früh in Führung gebracht (14.), ein von der Mittellinie geschlagener Freistoß leitete den unverhofften Ausgleich durch Adel Yusefi ein (36.). Als Jarno Böntgen per Kopf das 2:1 markierte, schien der SC Borgfeld wieder auf einem guten Weg, ohne sich allerdings weitere Chancen herauszuspielen, ehe die turbulente Schlussphase anbrach.

SC Borgfeld: Hentrich; Philip Eichler, Klüver, Kroschel, Tietjen, Cigdem (58. Karabas), Lange (64. Kubin), Böntgen, Henningsson, Lohs (58. Hoshaber), Uslu

Tore: 1:0 Kasim Uslu (14.), 1:1 Adel Yusefi (36.), 2:1 Jarno Bötgen (53.), 2:2 Marek Entelmann (80./Handelfmeter), 2:3 Ferdi Saciri (81.), 3:3 Kasim Uslu (90.), 3:4 Marek Entelmann (90.+5)

Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte gegen Marc-Patrick Tietjen wegen Foulspiels und Meckerns (80.), Rote Karte gegen Kasim Ulsi wegen groben Foulspiels (90.)

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 7 Datum: 09.09.2019

Nachgefragt bei:

Marc-P. Tietjen (29) organisierte der Borgfelder Abwehr sehr umsichtig, musste aber, nachdem er kurzzeitig die Kapitänsbinde von David Lange übernommen hatte, mit Gelb-Rot den Platz vorzeitig verlassen.

Herr Tietjen, Ihr Team schien das Spiel lange Zeit im Griff gehabt zu haben. Warum haben Sie noch verloren?

Marc-Patrick Tietjen : Das ist irgendwie schwer zu sagen, mir fehlen ehrlich gesagt auch die Worte. In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel klar im Griff, machen das 1:0, lassen uns danach aber auch vom Spiel in gewisser Weise einschläfern. Dann kassieren wir wieder ein Gegentor nach einem Standard, das zieht sich irgendwie durch die Saison. Dann gehen wir wieder in Führung, versäumen es aber, nachzulegen.

Haben Sie sich zu sicher gefühlt?

Das meine ich mit einschläfern. Wir wollten die zweite Halbzeit wieder mehr an uns reißen, den Gegner mit Tempo unter Druck setzen. Wir haben uns zu sehr dem Gegner angepasst.

Kurz nach der Halbzeit gab es einen Aufreger mit Ihnen im Mittelpunkt. War es nicht eine Notbremse?

Nein. Ich komme nicht mehr richtig hin, ziehe meinen Gegenspieler nach hinten. Ist eine klare Gelbe Karte, aber Massimo Klüver ist ja auch noch dagewesen.

Dann sind Sie aber trotzdem noch vom Platz geflogen kurz vor Schluss. Was war denn da los?

Ich meine, dass Mika Kroschel den Ball, der zum Elfmeter geführt hat, an die Brust gekriegt hat. Ich habe den Schiri nur gefragt, warum er Elfmeter gegeben hat. Daraufhin sagt er zweimal zu mir ,Geh weg‘, und ich meinte nur, ob man da nicht drüber reden kann. Dann habe ich Gelb-Rot bekommen.

Die Fragen stellte Dennis Schott.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 7 Datum: 09.09.2019

 
JavaScript ist nicht aktiviert!

Wir freuen uns über jedes neue Mitglied

Was wird zu einer Spielerlaubnis/Spielberechtigung benötigt:

Weitere Informationen