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01.07.2020

Der SC Borgfeld verfolgt mit Heinrich Marschollek als neuen Sportlichen Leiter extrem ehrgeizige Ziele
Der SC Borgfeld hat die lange, spielfreie Zeit genutzt, um sich noch professioneller aufzustellen. Im Mittelpunkt eines ehrgeizigen Konzepts steht die Einführung einer neuen Personalie. Ein Sportlicher Leiter soll zukünftig als Schnittstelle zwischen dem Vorstand und den Trainern fungieren und dabei Letzteren alle Voraussetzungen für ein optimales, sportliches Umfeld schaffen. Bekleidet wird diese Position von Heinrich Marschollek, der seit vielen Jahren mit dem Verein eng verbunden ist.

Die Idee entstand bereits während der Saison 2018/19, als die Rot-Weißen mit ihren B-Junioren sensationell in der Bundesliga vertreten waren. Auf der einen Seite erhielten die Borgfelder bei den Profivereinen wertvolle Einblicke, unter welchen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen Leistungszentren arbeiten. Vielmehr sind es aber die unvergesslichen Bilder jener Spielzeit, die sich in den Köpfen der Verantwortlichen eingebrannt haben. Die von den riesigen Bussen von Hertha BSC Berlin und RB Leipzig, die vor der Borgfelder Anlage parkten. Oder von den funkelnden Augen der eigenen Jugendlichen, als sie beispielsweise gegen Nick Woltemade kickten, der schon heute eine echte Sturmoption in Werder Bremens Bundesligakader darstellt. Allesamt Erinnerungen, die den Wunsch nach mehr entstehen ließen. Martialisch ausgedrückt, aber auf den Punkt gebracht, umschreibt es folgende Redewendung wohl am besten: Ein ganzer Verein hat seitdem Blut geleckt.

Für langfristig etablierten Leistungsfußball durch alle Altersstrukturen ist es aber notwendig, gewisse Strukturen im Verein zu schaffen. „Wir haben uns gefragt, wie wir als Vorstadtklub in der Lage sind, talentierten Spielern Möglichkeiten zu bieten, die nah an die eines Leistungszentrums herankommen“, erklärt Heinrich Marschollek. Mit dem Hintergedanken, dass Spieler, wie eben der bekannteste „Sohn“ des Klubs, Julian Brandt, den „Umweg“ über den SCB nehmen und sich erst später einem Top-Club der Branche anschließen.

Der Bau eines zweiten Kunstrasenplatzes, mit dem im Herbst begonnen wird, ist hierbei lediglich eine (wenngleich wichtige) Begleiterscheinung. Entscheidender dürfte die neue Philosophie sein, dass Trainer den Jahrgang einer Jugendmannschaft nicht weiter begleiten, sondern praktisch Spezialisten für eine bestimmte Altersklasse werden. Heißt im Klartext, ein U15-Coach kennt die in diesem Jahrgang wesentlichen Weiterentwicklungspotentiale und bleibt diesem mittelfristig treu, auch wenn seine Spieler sich altersbedingt der U17 dann einem neuen Trainer anschließen. „Wir möchten so erreichen, dass die Jugendlichen verschiedene und immer wieder neue Einflüsse im Laufe ihres sportlichen Werdegangs erhalten“, erläutert Heinrich Marschollek. Darüber hinaus sollen die U15, U17, U19, U23 und erste Herrenmannschaft, für die der 55-Jährige als Sportlicher Leiter verantwortlich ist, eine gemeinsame Spielphilosophie entwickeln und vertreten. Mit dem ambitionierten Ziel, dass all diese Teams möglichst mindestens in der Regionalliga auflaufen. „Im Herren-Bereich ist dies allerdings in naher Zukunft wohl kaum realistisch, schließlich reden wir hier von sechsstelligen Summen im Etat“, schränkt Dirk-Jochen Beckmann, Zweiter Vorsitzender des Vereins und gleichzeitig Pressesprecher, ein.

Heinrich Marschollek kann bereits auf leidenschaftliche, aber auch anstrengende erste Wochen in seiner neuen Funktion zurückblicken. Während Jugendleiter Andreas Grisar parallel weiterhin administrative Tätigkeiten übernimmt, sich zum Beispiel um Anmeldungen oder die Spielerpässe kümmert und eine direkte Anbindung zum Vorstand besitzt, hält der in Blumenthal wohnende Marschollek den Trainern weitestgehend den Rücken frei, sodass sich diese auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. In der Saisonvorbereitung erhielt der verheiratete, zweifache Familienvater von den Trainern eine lange Wunschliste und kontaktierte die potentiell abgebenden Vereine schriftlich, mit der Bitte, die interessanten Spieler für ein Probetraining einladen zu dürfen. Doch Heinrich Marschollek sitzt beileibe nicht nur am Schreibtisch, sondern ist praktisch jeden Tag auf dem Sportplatz anzutreffen. „Ich begleite möglichst viele Trainingseinheiten, bilde mir eine persönliche Meinung über die Gastspieler und ziehe auch anschließend zusammen mit den jeweiligen Trainern ein Resümee“, berichtet Marschollek, der in der Bundesliga-Saison als Co-Trainer an der Seite von Burak Bahar fungierte. Zudem sieht er sich als eine Art Mediator zwischen den Trainern und dem Vorstand, aber auch zwischen den verschiedenen Coaches. „Meine Aufgabe ist es auch hier zu vermitteln, denn wir möchten den Spielern beim Wechsel in einen neuen Jahrgang einen reibungslosen Übergang verschaffen“, verrät Heinrich Marschollek, der während der Saison bei sehr vielen Begegnungen live vor Ort sein möchte. "Ich muss doch auch ständig überprüfen, ob wir auf einem guten Weg oder doch etwas blauäugig an die Sache herangegangen sind.“

Bei all den zeitintensiven Aufgaben verwundert es nicht, dass Heinrich Marschollek kein anderes Hobby als Fußball kennt. Denn er kann in dieser Sportart bereits auf eine lange Vita zurückblicken. Marschollek spielte selbst in Blumenthal in der A-Junioren-Regionalliga, war viele Jahre Jugendleiter beim TSV Farge-Rekum und stand als Linienrichter am Spielfeldrand. Ihm wurde vom Bremer Fußball-Verband die Verdienstnadel verliehen, und als Co-Trainer von Kristian Arambasic holte er mit der U17 des TuS Komet Arsten im Futsal die Deutsche Vizemeisterschaft. Trotzdem zögerte er zunächst, als der Vorstand des SCB ihn mit der verantwortungsvollen Aufgabe des Sportlichen Leiters betrauen wollte: „Ich habe erstmal verneint, denn als Mitarbeiter des Bremer Fußball-Verbands, bei dem ich auch im Verbandsgericht sitze, sah ich einen gewissen Interessenkonflikt. Nun haben wir meine Position aber so konstruiert, dass ich nicht Teil des Borgfelder Vorstands und somit auch kein direkter Entscheidungsträger bin.“

Für Marscholleks Zusage war letztlich aber mindestens genauso wichtig, dass der gesamte Vorstand und Verein hinter dem neuen Konzept steht. Auf Nachfrage, ob es im Verein vor anderthalb Jahren nicht noch Querelen um die nun vollzogene, leistungsorientierte Ausrichtung gab, erteilt Dirk-Jochen Beckmann eine klare Absage: „Solche Differenzen hat es nie gegeben. Im Gegenteil, wir haben schon länger mit diesem Weg und einem Sportlichen Leiter geliebäugelt und denken, dass nun einfach der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Dass sich die „Wümme-Kicker“ für Heinrich Marschollek entschieden haben, beschreibt Dirk-Jochen Beckmann als „naheliegend“. „Auch wenn Heinrich zuletzt bei uns nicht so präsent war, haben wir immer engen Kontakt gehalten. Er kennt zudem viele Trainer extrem gut und besitzt ein großes Vertrauensverhältnis zu ihnen. Mit Lutz Repschläger, Carsten Huning oder Yimin Ehlers hat er beispielsweise schon zusammengearbeitet“, sagt der Zweite Vorsitzende. „Wir freuen uns sehr darüber, dass sich nun der Kreis geschlossen hat und wir Heinrich für diese Position gewinnen konnten“, so Dirk-Jochen Beckmann.

Bei allen ehrgeizigen Zielen sind sich die Verantwortlichen des Vereins aber einig: Der Spaß darf niemals verloren gehen. „Dieser Ansatz ist elementar“, meint Heinrich Marschollek, "nur so können wir weiterkommen und die Leidenschaft der Spieler am Leben erhalten. Wir sind uns auch im Klaren darüber, dass wir mit diesem Schritt Neuland betreten und nicht alles in Kürze erreichen können. Aber wir wollen diesen Versuch jetzt starten.“ Dirk-Jochen Beckmann schlägt abschließend in die gleiche Kerbe: „Es soll ein Borgfelder Weg sein. Wir möchten nicht mit Macht und lauter Auswärtigen diese Ziele erreichen, sondern möglichst viele unserer eigenen Jungs mitnehmen.“

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 6 Datum: 02.06.2020

 
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