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17.08.2018

Nach dem 2:1-Erfolg gegen den Niendorfer TSV steigt das Team um Trainer Burak Bahar in die Bundesliga auf
Wenige Minuten vor dem Abpfiff der Begegnung in der Fußball-B-Junioren-Regionalliga Nord zwischen dem SC Borgfeld und dem Niendorfer TSV machte sich auf der der Borgfelder Trainerbank gegenüberliegenden Seitenlinie erste Unruhe breit. Zahlreiche Zuschauer rissen ihre Arme in die Höhe, vereinzelte Jubelschreie waren kaum mehr zu überhören. „Kümmert euch ja nicht darum, was da gerade abgeht“, versuchte SC-Trainer Burak Bahar, den Trubel auf der Gegengeraden möglichst nicht an seine Spieler heranzulassen. Das Team solle sich lieber wieder auf das Spielgeschehen auf dem Kunstrasenplatz am Hamfhofsweg konzentrieren – schließlich war das Spiel noch nicht abgepfiffen worden und Borgfeld führte knapp mit 2:1. Doch dann pfiff Schiedsrichter Lukas Höft tatsächlich ab und das Vereinsgelände der Wümme-Kicker verwandelte sich binnen Sekunden in ein wahres Tollhaus.

Von allen Seiten stürmten Menschen freudetrunken auf das Spielfeld, nicht nur der Heimsieg ihrer Mannschaft wurde gefeiert, sondern noch mehr die Tatsache, dass aus den ersten leisen Gerüchten schließlich Wahrheit wurde: Der VfL Osnabrück hatte nicht nur sein Auswärtsspiel beim abstiegsbedrohten JFV Nordwest mit 1:3 verloren, sondern damit gleichzeitig seinen dritten Platz in der Abschlusstabelle an den direkt hinter ihm platzierten SC Borgfeld abgeben müssen. Und weil weder der Meister VfL Wolfsburg II noch der Zweitplatzierte SV Werder Bremen II in die Bundesliga aufsteigen dürfen, da sich dort bereits die ersten Teams beider Vereine etabliert haben, tragen sich die jungen Borgfelder Nachwuchs-Kicker tatsächlich in die Geschichtsbücher ein: Noch nie ist es einem Team des Vereins gelungen, in die Eliteklasse des deutschen Fußballs aufzusteigen. „Das ist der Wahnsinn“, freute sich Burak Bahar den Tränen nahe, „die Jungs haben sich selbst für eine absolut geile Saison mit dem Aufstieg belohnt und damit gleichzeitig auch noch so vielen Mahnern und Zweiflern den Wind aus ihren Segeln genommen. Das ist einfach nur geil.“

Die Zweifler werden abgestraft

Während der Vorbereitung auf die Spielzeit in der Regionalliga waren rund um den Wümmedeich zahlreiche Beobachter bei einzelnen Spielen anwesend gewesen und hatten – ob der mäßigen bis schlechten Leistungen der Junioren – bereits den Abgesang auf die Mannschaft angestimmt. Weder das Trainer-Quartett Burak Bahar, Dominic Volkmer, Janik Brüggemann und Sven Duschner noch die Mannschaft insgesamt seien regionalligatauglich, der sofortige Abstieg schien für viele Außenstehende bereits mehr als besiegelt. „Und in der nächsten Saison spielen wir in der Bundesliga“, feixte Bahar, „soweit also zum Thema Experten.“

Doch lange konnte sich Bahar gar nicht über Unkenrufe von außen ärgern, der Großteil der Spieler schnappte sich den Coach und rang ihn im Tornetz derart nieder, dass sich so manch Umstehender bereits Sorgen um den Gesundheitszustand des Erfolgstrainers machen musste. Doch lächelnd rappelte sich Bahar wieder auf, entkam einer Bierdusche um Haaresbreite und flüchtete erst einmal in die Kabine, um dort selbst auch wieder etwas zur Ruhe zu kommen.

Bahars Co-Trainer Sven Duschner übernahm derweil draußen auf dem Kunstrasenplatz das Kommando. „Gebt mir ein H“, brüllte er seine im Kreis sitzenden Spieler an. Diese folgten seiner Anweisung ohne Widerspruch und am Ende erscholl aus mittlerweile recht heiseren Kehlen das bundesliga-bekannte „Humba, humba, humba tätärä“, mit dem sich die Nachwuchs-Kicker stimmlich ohne Zweifel bereits als durchaus bundesligatauglich erwiesen.

„Das ist einfach nur geil“, meinte auch Abwehrspieler Mohamed Fakhro, der mit seinem ebenso frechen wie fulminanten Freistoßtor zum 1:0 die Tür zur Bundesliga weit aufgeschossen hatte (20.). Zum tragischen Helden avancierte gleichzeitig Borgfelds Top-Torjäger Eren Sami Dinkci, der mit insgesamt 13 Treffern einen erheblichen Anteil am Aufstieg in die Bundesliga beigetragen hatte – in der kommenden Spielzeit allerdings mit den Borgfelder A-Junioren in der Regionalliga spielen muss. „Ich bin aus dem älteren Jahrgang“, begründete der Mittelstürmer, „deshalb darf ich nicht spielen.“ Dennoch sei er stolz auf die Mannschaft und werde seinen Kumpels in der Bundesliga „volle Pulle die Daumen drücken“, versicherte Dinkci.

Auch Kapitän Daniel Hefele, mit seinem Hattrick am vorletzten Spieltag in Osnabrück ebenfalls maßgeblich am Borgfelder Wunder beteiligt, zeigte sich überzeugt von der Bundesligatauglichkeit seiner Mannschaft. „Wir haben eine tolle Stimmung im Team“, betonte der Kapitän, „und alle folgen Burak ohne zu zögern.“ Wie weit die Planungen am Wümmedeich fortgeschritten seien, konnte oder wollte an diesem historischen Tag allerdings niemand sagen. „Wir werden ganz sicher eine schlagkräftige Truppe auf den Platz bringen“, konstatierte Burak Bahar, „aber das analysieren und organisieren wir erst in den kommenden Tagen.“

SC Borgfeld: Rode; Fakhro (46. Choi), Hollenbeck, Buchcik, Hefele, Zlataric (36. Diallo), Dinkci (72. Elmali), Deppe, Mandurino, Böntgen (78. Ekinci), Altinisik

Tore: 1:0 Mohamed Fakhro (19.), 1:1 (42.), 2:1 Eren Sami Dinkci (45./FE)

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 6 Datum: 11.06.2018

Nachgefragt BEI DANIEL HEFELE

Einzeilige Headline ohne Unterzeile

Herr Hefele, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg: Haben Sie vor dem Anpfiff damit gerechnet oder kam es letztlich auch für Sie überraschend?

Daniel Hefele: Mit so einem Erfolg kann man natürlich vorher nicht rechnen, aber die Hoffnung war schon groß, weil wir wussten, dass wir eine starke Truppe haben und uns die Relegation ja schon bei einem Unentschieden sicher war. Wir wussten aber auch, dass wir etwas Glück benötigen würden, um direkt aufzusteigen, denn auf eine Niederlage von Osnabrück durften wir uns natürlich auch nicht verlassen. Deshalb war der Sieg sehr wichtig, damit haben wir unsere Hausaufgaben gemacht – und sind am Ende auch verdient aufgestiegen.

Was erwartet das Team jetzt in der B-Junioren-Bundesliga?

Es wird schwierig, weil das Tempo enorm hoch ist und die Konkurrenz mehr Erfahrung auf diesem Niveau hat. Aber wir werden diese Euphorie mitnehmen und alles dafür geben, um die Klasse auch zu halten.

Reicht die Qualität für die Bundesliga aus?

Davon bin ich überzeugt, wir haben einen super Teamgeist, gute Charaktere im Kader, tolle Betreuer und natürlich auch einen Trainer, der es sowohl taktisch als auch menschlich voll drauf hat. Natürlich werden noch neue Spieler hinzukommen. Darum kümmert sich der Verein, das ist nicht meine Aufgabe. Wir haben alle Bock und wollen die Bundesliga jetzt richtig rocken.

Die Fragen stellte Christian Markwort.

Daniel Hefele ist angehender Abiturient und seit zwei Jahren in Borgfeld. Der 16-Jährige spielt im zentralen defensiven Mittelfeld und ist Kapitän des frisch gebackenen Bundesliga-Aufsteigers.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 6 Datum: 11.06.2018

Ein Traum wird wahr

Einige Bänke in der Umkleidekabine des SC Borgfeld müssen schon leiden. Aber böse kann den B-Junioren des Vereins nach dem Aufstieg in die Bundesliga niemand sein. „Das ist der goldene Jahrgang des Klubs“, prophezeit Trainer Burak Bahar – und meint damit nicht nur die B-Junioren, sondern spricht auch von den von ihm zusätzlich trainierten A-Junioren, die mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord ebenfalls ein Ausrufezeichen gesetzt haben.

Seit vielen Jahren steht der Verein vom Wümmedeich für exzellente Nachwuchsförderung. Jetzt trägt die Arbeit der vielen ehrenamtlichen und lizenzierten Trainer und Übungsleiter die verdienten Früchte. „Lasst die Jungs ruhig ordentlich feiern“, gibt Burak Bahar direkt nach dem Schlusspfiff als Marschroute aus und muss sich selbst mehr oder weniger erfolgreich vor den Bier-, Sekt- oder Wasserduschen in Sicherheit bringen. Letztlich schnappen sich die Spieler ihren Chefcoach und machen ihn zum Fundament eines Menschenbergs, der sich in einem Tor fast bis zur Unterkante der Latte stapelt.  Fotos: © Werner Maass

Doch nicht nur Spieler und Trainerstab sind ob des Triumphes vollkommen außer Rand und Band, auch die vielen Zuschauer rund um das Spielfeld am Hamfhofsweg wissen gar nicht so recht, wohin sie mit ihren Emotionen sollen. „Heute ist der schönste Tag in meinem Leben“, meint ein langjähriger Borgfeld-Kenner. Für den frisch gebackenen neuen Vorsitzenden des Vereins, Thomas Kaessler, beginnt die neue Amtszeit direkt mit drei Aufstiegsfeiern, schließlich schaffen auch die Herren den so lange ersehnten Sprung in die Bremen-Liga – und schaffen somit auch endlich die erforderlichen Perspektiven, um talentierte Nachwuchsspieler langfristig an den Verein binden zu können.

„Wir haben jetzt ein echtes Aushängeschild“, sagt Erfolgs-Coach Bahar, der sich bescheiden im Hintergrund hält. Der 26-jährige Disponent hat noch einen Vertrag bis zum nächsten Jahr, „und den werde ich in jedem Fall auch erfüllen.“ Unterstützt wird Bahar bei den B-Junioren weiter von Sven Duschner, bei den A-Junioren wird ihm ein neues Trainerteam zur Seite gestellt: Neben Janik Brüggemann (Torwarttrainer) kommen Murat Özbek (Co-Trainer) und Massimo Neumann (Athletiktrainer) hinzu. „Damit sind wir gut aufgestellt“, so Bahar, der im kommenden Jahr den nächsten Schritt auf der Karriereleiter als Trainer machen will. Erste Gespräche seien bereits gelaufen, „unterschrieben ist aber noch nichts.“

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Wümme Zeitung Seite: 8 Datum: 12.06.2018   Fotos: © Werner Maass

 
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